Verhütungsmittel für die Frau

Groß, klein, dick, dünn, temperamentvoll oder gelassen, so unterschiedlich Frauen auch sind, ein Thema verbindet alle: die Verhütung.

Die Sicherheit der Verhütungsmethoden wird als Pearl-Index angegeben. Er gibt die Zahl der Schwangerschaften an, die laut Statistik eintreten können, wenn 100 Frauen ein Jahr lang ein bestimmtes Verhütungsmittel anwenden. Je kleiner der Wert, desto sicherer ist die Verhütungsmethode.

Am häufigsten werden Methoden der hormonellen Verhütung angewendet, da sie zu den sichersten Verhütungsmethoden zählen. Die meisten Pillen gehören zu den „ Kombinationspillen“ und enthalten synthetisch hergestellte Varianten der beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen.

Kombinationspillen

müssen in der Regel 21 Tage eingenommen werden, gefolgt von einer Einnahmepause von 7 Tagen, in der es normalerweise zur Blutung kommt. Bei dieser Verhütungsmethode hemmen die Hormone der Pille den Eisprung (Ovulation), außerdem sorgen sie dafür, dass der Schleimpropf im Gebärmutterhals für Spermien undurchlässig wird und sich die Gebärmutterschleimhaut weniger aufbaut. Der Pearl-Index der Kombinationspille liegt bei 0,1 bis 1,0.

Mögliche Vorteile der Kombinationspille:

  • regelmäßige Blutung
  • kaum bzw. keine Regelschmerzen
  • kurze Blutungsdauer
  • positiver Einfluss auf die Haut und Haare, Akne kann behandelt werden
  • geringeres Risiko für die Entstehung eines Eierstock -oder Gebärmutterkrebses


Mögliche Nachteile der Kombinationspille:

  • Kopfschmerzen, Gewichtsschwankungen, Brustspannen, Schmierblutungen
  • in sehr seltenen Fällen kann es zum Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Gerinnsel (Thrombose, Thromboembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall ) kommen

Die Minipille

ist eine Alternative zur Kombinationspille, sie enthält nur ein Gestagen (Gelbkörperhormon) und somit kein Östrogen zur Zyklusstabilisierung, so dass es unter der Minipille häufiger zur Zwischenblutungen kommen kann. Die Gestagen der Minipille sorgen dafür, dass sich der Schleimpropf so verdickt, dass keine Spermien in die Gebärmutter eindringen können. Außerdem baut sich die Gebärmutterschleimhaut weniger auf, sodass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten kann. Einige Minipillen verhindern darüber hinaus auch den Eisprung und wirken als Ovulationshemmer. Alle Minipillen werden ohne die bei der Kombinationspille 7-tägige Pause eingenommen. Bei Präparaten ohne Ovulationshemmung ist auf eine zeitlich sehr genaue Einnahme zu achten. Der Pearl-Index von Minipillen liegt bei 0,5-3. Der Pearl-Index der Minipille mit Ovulationshemmung liegt zwischen 0,03 und 1,0.

Mögliche Vorteile der Minipille:

  • sehr niedrige Hormondosis, deswegen auch für stillende Frauen geeignet
  • Alternative für Frauen, die Östrogene nicht vertragen oder wegen gesundheitlichen Risiken nicht nehmen dürfen
  • bei den meisten Frauen bleibt die Regelblutung komplett aus


Mögliche Nachteile der Minipille:

  • es kann häufiger als unter der Kombinationspille zu Zwischenblutung kommen
  • einige Frauen bekommen Östrogenmangel-bedingte Beschwerden

Das Hormonsystem(-spirale) (Jaydess, Mirena)

dient zur Langzeitverhütung 3 bzw. 5 Jahre und gibt nur sehr geringe Hormonmengen lokal in die Gebärmutter ab. Das abgegebene Hormon bildet einen verdickten Schleimpropf im Gebärmutterhals, um ein Eindringen der Spermien zu verhindern, zudem wird weniger Schleimhaut in der Gebärmutter aufgebaut. Der Pearl-Index liegt zwischen 0,2 -0,4.

Mögliche Vorteile der Hormonspirale:

  • sehr geringe Hormonmengen, die lokal wirken
  • östrogenfrei, wird deshalb sehr gut vertragen
  • geeignet auch in der Stillzeit
  • Medikamente, wie z.B. Antibiotika, haben keinen Einfluss auf die Sicherheit, sowenig wie Magen- oder Darmbeschwerden
  • die Periode wird kürzer, schwächer, weniger schmerzhaft, der natürliche Zyklus bleibt erhalten.


Mögliche Nachteile der Hormonspirale:

  • in der Anpassungsphase vollzieht sich eine Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, Zwischenblutungen sind 2-6 Monate möglich
  • Frauen mit Akne werden wahrscheinlich keine Hautverbesserungen erfahren
  • nicht bei Entzündungen im kleinen Becken geeignet

Gyncolleg Das Hormonsystem(-spirale)

Das Hormonpflaster

ist ca. 3x3 cm großes hormonelles Verhütungsmittel für die Frau und wird auf Bauch, Oberschenkel, Po oder Außenseite des Oberarmes geklebt und einmal wöchentlich erneuert. Es enthält Östrogene und Gestagene, die über die Haut aufgenommen werden und genau wie eine Kombinationspille im gesamten Körper wirken. Das Pflaster wird drei Wochen lang jede Woche ausgetauscht, dann folgt eine Woche Anwendungspause. Der Pearl-Index liegt zwischen 0,2 und 0,9.

Mögliche Vorteile des Hormonpflasters:

  • man muss nicht täglich an die Verhütung denken, sondern nur wöchentlich
  • die Sicherheit der Verhütung wird durch Erbrechen nicht beeinflusst


Mögliche Nachteile des Hormonpflasters:

  • wegen der Größe oder Farbe kann es als störend empfunden werden
  • es kann zu Hautreizungen kommen

Der Hormonring

ist ein flexibler Kunststoffring mit einem Durchmesser von ca. 5 cm, den man selbst in die Scheide einführen kann und der dort 3 Wochen verbleibt. Er enthält ebenso wie die Kombinationspille und das Hormonpflaster ein Östrogen und ein Gestagen und wirkt im gesamten Körper. Nach drei Wochen der Anwendung wird eine 7-tägige Pause eingelegt, in der normalerweise die Periode eintritt. Der Pearl-Index liegt zwischen 0,4-0,65.

Mögliche Vorteile des Hormonringes:

  • eignet sich für Frauen, die nicht täglich an die Verhütung denken wollen
  • die Hormone werden nicht geschluckt, Erbrechen hat keinen Einfluss


Mögliche Nachteile:

  • wie die Kombinationspille oder Pflaster nicht für Frauen mit bestehenden Gegenanzeigen für östrogenhaltige Präparate geeignet
  • die Handhabung des Rings erfordert Übung
  • der Ring ist ggf. von beiden Partnern beim Geschlechtsverkehr spürbar. Dann kann der Verhütungsring für maximal 3 Stunden entfernt werden

Das Hormonimplantat

ist ein etwa streichholz-großes Kunststoffstäbchen, das vom Frauenarzt auf der Innenseite des Oberarmes in örtlicher Betäubung direkt unter die Haut gelegt wird. Es gibt kontinuierlich ein Gelbkörperhormon ab, welches im gesamten Körper wirkt. Bei dieser hormonellen Verhütung wird der Eisprung gehemmt, der Schleim im Gebärmutterhals wird für Spermien undurchlässig, die Gebärmutterschleimhaut wird so verändert, dass sich kein Ei einnisten kann. Der Pearl-Index liegt bei 0-0,08.

Mögliche Vorteile des Hormonimplantates:

  • sehr hoher Verhütungsschutz für 3 Jahre
  • Alternative für Frauen, die Östrogene nicht vertragen oder nicht nehmen dürfen
  • das Implantat kann auch in der Stillzeit angewendet werden


Mögliche Nachteile des Hormonimplantates:

  • kleiner chirurgischer Eingriff nötig
  • es können Zwischenblutungen, Gewichtszunahme, Hautverschlechterungen oder Kopfschmerzen auftreten

Die 3-Monats-Spritze

ist ein reines Gestagen-Präparat, aber im Gegensatz zur Minipille oder Implantat höher dosiert. Die Spritze wird direkt in den Muskel des Oberarms oder Gesäßes verabreicht. Die Spritze bietet 3 Monate lang Schutz vor Schwangerschaft, es kann aber dauern, bis nach Absetzen der natürliche Zyklusverlauf wieder eintritt. Der Pearl-Index legt zwischen 0,3 -1,4.

Mögliche Vorteile der 3-Monats-Spritze:

  • man muss nur alle 3 Monate an die Verhütung denken
  • eignet sich für Frauen, die Östrogene nicht vertragen
  • kann in der Stillzeit angewendet werden
  • Anwendungsfehler sind ausgeschlossen, Erbrechen und Durchfall haben keinen Einfluss


Mögliche Nachteile der 3-Monats-Spritze:

  • Gewichtszunahme
  • ein kurzfristiges Absetzen, wie bei der Pille, ist nicht möglich
  • nach dem Absetzen der 3-Monat-Spritze kann es das Einsetzen des Zyklus verzögert werden
  • bei einer längeren Anwendung es kann zur Verminderung der Knochenmineraldichte kommen

Kupferspirale, Kupferball und Kupferkette

Die Kupferspirale besteht aus einem mit Kupferdraht umwickelten T-Körper. Der Kupferball ist ein zur Kugel gebogener Faden, auf dem mehrere Kupferkügelchen sitzen. Die Kupferkette ist ein chirurgischer Faden, auf welchem Kupferhülsen aufgefädelt sind. Während die Verankerung der Kupferkette in die Gebärmutterwand eingestochen wird, liegen die beiden anderen frei in der Gebärmutterhöhle. Bei allen drei Systemen handelt es sich um hormonfreie Verhütung. Sie werden vom Frauenarzt in der Praxis direkt in die Gebärmutter eingesetzt, wo sie bis zu 3 bzw. 5 Jahre bleiben können. Der Pearl-Index liegt bei 0,3-0,7.

Mögliche Vorteile der Kupfer-Systeme:

  • Einnahmefehler sind ausgeschlossen, da diese Verhütungsmethode direkt in der Gebärmutter wirkt
  • der natürliche Hormonzyklus bleibt erhalten
  • eignet sich für Frauen, die eine hormonfreie Verhütung wünschen


Mögliche Nachteile der Kupfer-Systeme:

  • Periode könnte länger, stärker und schmerzhafter werden
  • es können Unterleibentzündungen durch aufsteigende Infektionen kommen

Gyncolleg Kupferspirale und Kupferkette

Das Kondom

ist das einzige Verhütungsmittel, das vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV, Syphilis oder Gonorrhö bei korrekter Anwendung schützen kann. Darüber hinaus handelt es sich auch hier um eine hormonfreie Verhütung. Der Pearl-Index liegt zwischen 2-12.

Mögliche Vorteile des Kondoms:

  • einfach anzuwenden
  • Schutz gegen Krankheiten: Hepatitis B, C und D, Chlamydien, Syphilis, Gonorrhö, etc.


Mögliche Nachteile des Kondoms:

  • Allergien gegen Latex-Kondome
  • die Sicherheit ist sehr anwenderabhängig

Diaphragma und Portiokappe

sind mechanische Verhütungsmittel, die bei jedem Verkehr in die Scheide eingelegt werden müssen und so eine mechanische Barriere für Samenzellen bilden. Sie bestehen aus Gummi, Silikon oder Latex und müssen individuell angepasst werden. Vor dem Geschlechtsverkehr werden diese Verhütungsmittel mit einem Spermien-abtötenden, chemischen Verhütungsmittel in die Scheide eingelegt. Der Pearl-Index dieser hormonfreien Verhütung ist 1-20.

Mögliche Vorteile:

  • hormonfrei


Mögliche Nachteile:

  • Anwendung erfordert Übung, sonst ist die Sicherheit nicht ausreichend
  • es gibt keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen